Tag des Waldes

Die Wälder in Sachsen-Anhalt speichern viele Millionen Tonnen Kohlenstoff – damit sind sie ein wichtiger Klimaschützer. Aber der Wald ist selbst durch den Klimawandel bedroht.

Wir Grüne setzen uns deshalb dafür ein, dass unsere Wälder fit werden für die Zukunft. Wir brauchen mehr robuste Mischwälder. Wir brauchen mehr ökologische Waldbewirtschaftung und Forstwirtschaft in Sachsen-Anhalt.

Ein Blogbeitrag von unserer Landesvorsitzenden Britta-Heide Garben.

Die Belange des Natur- und Artenschutzes müssen bei der Bewirtschaftung stärker berücksichtigt werden. Vor allem müssen Alt- und Totholz als Lebensraum für Tiere erhalten bleiben. Wir wollen finanzielle Anreize für Waldbesitzer*innen schaffen, damit sie Artenschutz betreiben können. Es gab lange nicht mehr so viel Personal im Forst wie aktuell. Azubis werden übernommen.

Die Holzwirtschaft im Land hat ein großes Potential; Holz als nachwachsender Rohstoff ist vielseitig einsetzbar; Wertschöpfung kann in der Region bleiben. Dafür braucht die Branche die starke Zukunftsvision. Mit unserer Ministerin Claudia Dalbert hat die Holzwirtschaft eine starke Partnerin an ihrer Seite.  Sie geht alle Notwendigkeiten an, um die Herausforderungen des Klimawandels zu meistern. 

Hintergrund: Die Waldfläche in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt sind 58 Prozent des Waldes Nadelwald und 42 Prozent Laubwald. Die häufigste Baumart ist die Gemeine Kiefer mit einem Anteil von 47 Prozent an der Baumartenverteilung im Land. Sie ist vor allem im Norden und Osten Sachsen-Anhalts auf sandigen Böden vertreten. Die Fichte und das sonstige Nadelholz folgen mit einem Anteil von 11 Prozent und haben ihren Schwerpunkt in der Standortregion Harz im gleichnamigen Wuchsgebiet. Der Klimawandel ist die große Herausforderung für die Forstwirtschaft. Vor allem Fichtenreinbestände könnten Probleme bekommen, denn Fichten haben ein flaches Wurzelsystem. Dadurch sind sie einerseits auf regelmäßige Niederschläge angewiesen. Andererseits finden die Bäume bei Stürmen weniger Halt im Boden. Trockenschäden und große Windwürfe sind die Folge. 

Das Zauberwort heißt daher: Waldumbau. Klimaempfindliche Nadelwälder werden in widerstandsfähige Mischwälder umgebaut. Ziel sind stabile und strukturreiche Mischwälder, die zu mindestens 30 Prozent aus Laubbäumen bzw. Tanne bestehen. 

Es gibt zwei Wege, um Wälder umzubauen:

Naturverjüngung: Aus den Samen der Altbäume entwickelt sich die nächste Baumgeneration. Die gewünschten Baumarten werden durch waldbauliche Maßnahmen und eine waldfreundliche Jagd gezielt gefördert. Diese Methode hat die großen Vorteile, dass Bäume aus Naturverjüngung im Allgemeinen bessere Wurzeln, mehr Halt im Boden und ein besseres Wachstum aufweisen. Zudem können wir auf teure Pflanzungen verzichten. Etwa zwei Drittel Verjüngungsfläche im Bayerischen Staatswald liefert die Natur von selbst. 

Künstliche Verjüngung durch Pflanzung oder Saat: Diese Methode wird überall dort angewendet, wo die Naturverjüngung nicht möglich ist. Dies kann der Fall sein, wenn keine geeigneten Samenbäume für die erwünschte Naturverjüngung in ausreichender Nähe vorhanden sind oder übermäßige Konkurrenzvegetation, z. B. Brombeere, das Auflaufen einer erwünschten Naturverjüngung verhindert. Schließlich können größere Schadflächen, z. B. nach Sturm, meist nur durch Pflanzung zielführend wiederbestockt werden. Der Nachteil: Waldumbau durch Pflanzung oder Saat ist teurer. Etwa ein Drittel der Verjüngung wird durch Pflanzung und Saat bewerkstelligt. 

In Sachsen-Anhalt gibt es ca. 50 Tausend Waldbesitzer, wobei der Anteil der Klein- und Kleinstwaldbesitzer mit durchschnittlichen Waldflächenanteilen von 5,38 ha überwiegt.

Die Waldbewirtschaftung in Sachsen-Anhalt

Die Wälder werden nachhaltig und ordnungsgemäß auf der Grundlage des Landeswaldgesetzes Sachsen-Anhalt (LWaldG) bewirtschaftet. In Sachsen-Anhalts Wäldern wachsen jährlich ca. 3,7 Millionen Kubikmeter Holz hinzu, genutzt werden aber nur etwa 2,3 Millionen Kubikmeter. Damit liegt die Holznutzung deutlich unter dem Holzzuwachs. Im Landeswald erfolgt die Holznutzung überwiegend in einzelstammweiser Nutzung nach Zielstärken und gewährleistet somit dauerwaldartige Waldstrukturen.  Auf Kahlschläge als Wirtschaftsprinzip wird dabei verzichtet. 

Holz: Klasse vor Masse 

Naturgemäße Waldwirtschaft und ökologische Holznutzung sind für eine nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raumes und für die Wertschöpfung in der Region besonders wichtig. Der Klimawandel zwingt uns, unsere Wälder rasch in artenreiche Mischwälder umzuwandeln. Das ist vor allem für viele Eigentümer*innen mit kleinem Waldbesitz eine große Aufgabe. Damit der Waldumbau gelingen kann, setzen wir uns dafür ein, dass Fördergelder bereitgestellt werden und wir wollen die Beratung intensivieren, damit neue Bewirtschaftungskonzepte auch den Ansprüchen des Natur- und Artenschutzes gerecht werden. Mit dem Waldumbau verändern sich auch Holzarten, Erntemengen und Holzqualitäten. Wir wollen die Forschung, Entwicklung und Ausbildung stärken und fördern die Innovationskraft der mittelständischen holzverarbeitenden Betriebe, gerade auch für Holz als Baustoff der Zukunft. Denn Holz ist dann ökologisch und ökonomisch besonders wertvoll, wenn es nicht verbrannt, sondern in hochwertige Produkte veredelt wird.

Forstwirtschaft „as usual“ richtet hier nicht wiedergutzumachende Schäden an. Unsere öffentlichen Wälder gehören uns allen, der sachsen-anhaltischen Bevölkerung. Wir wollen wertvolle Waldgebiete unbedingt erhalten. Endlich sollen 10 Prozent Wald in Sachsen-Anhalt aus der Nutzung genommen werden – mit Natur- und Klimaschutz ernst machen. Die Weltklimakonferenz stellte die Bedeutung des Sonderberichts zum 1,5 Grad-Ziel heraus. Dort heißt es, dass wir es ohne Wälder als wichtige CO2-Senker nicht schaffen werden, die Erderhitzung auf unter 2 Grad zu begrenzen. Deutschland ist Unterzeichner der Biodiversitätskonvention. Bei der COP10 wurde ein Strategischer Plan bis 2020 verabschiedet: Die Vertragsstaaten verpflichteten sich, 10 Prozent der Wälder aus der Nutzung zu nehmen, Flächen von besonderer Wichtigkeit für Artenvielfalt und Ökosystemdienstleistungen. 

Es ist klar: Wir brauchen unsere Wälder als wichtigen CO2-Speicher und als Schatz der ökologischen Vielfalt. Der Schutz des Waldes hat für uns eine besondere Bedeutung. Wir fordern echten Natur- und Klimaschutz – JETZT.

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