Sachsen-Anhalt hitzefest machen – Grüner Sechs-Punkte-Plan gegen Hitze und Klimafolgen

Sachsen-Anhalt hat die bislang stärkste jemals gemessene Hitzewelle vorerst überstanden. Mehrere Tage mit Temperaturen von über 40 Grad haben Menschen, Natur und Infrastruktur an ihre Belastungsgrenzen gebracht. Die jüngste Hitzewelle führte zu erheblichen gesundheitlichen Belastungen wie Erschöpfung, Schlafproblemen und verminderter Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig kam es in Sachsen-Anhalt zu Schäden an der A2, Waldbränden im Harz und bei Stendal sowie zu Absagen von Veranstaltungen. Mit dem fortschreitenden Klimawandel werden solche Extremereignisse häufiger und intensiver auftreten.

Hitze gilt inzwischen als das größte klimawandelbedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts starben im Sommer 2025 rund 2.500 Menschen an den Folgen extremer Hitze, im Sommer 2018 waren es sogar rund 8.700. Studien zeigen, dass sich hitzebedingte Todesfälle um bis zu 40 Prozent reduzieren ließen, wenn rund 30 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen durch Bäume oder hohe Vegetation beschattet würden. Tatsächlich gingen nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe zwischen 2018 und 2025 jedoch mehr als 900.000 Bäume in den untersuchten Kommunen verloren.

1. Klima bleibt Thema: Priorität für die Ursachenbekämpfung!

Temperaturen von über 40 Grad Celsius machen deutlich: Die Klimakrise ist längst in unserem Alltag angekommen. Jedes Zehntel Grad Erwärmung erhöht das Risiko für Hitzewellen, Dürren und andere Extremwetterereignisse. Das hat gravierende Folgen für Gesundheit, Natur und Wirtschaft. Wer Menschen wirksam vor Hitze schützen will, muss deshalb die Ursachen der Klimakrise entschlossen bekämpfen. Die wichtigste Maßnahme gegen zukünftige Hitzewellen bleibt konsequenter Klimaschutz.

Wir fordern:

  • Ein verbindliches und überprüfbares Landesklimaschutzgesetz mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2035.
  • Einen verbindlichen Maßnahmenplan für alle Sektoren.
  • Den konsequenten Ausbau von Maßnahmen mit doppeltem Nutzen für Klima- und Hitzeschutz: Solaranlagen mit Verschattungseffekt, Wärmepumpen mit Kühlfunktion sowie von Wäldern und Stadtgrün.

2. Solidarisch handeln: Besonders gefährdete Menschen schützen!

Hitze ist längst auch eine soziale Frage. Besonders gefährdet sind ältere und pflegebedürftige Menschen, Kinder, Schwangere, Menschen mit Vorerkrankungen sowie alle, die im Freien arbeiten oder keinen geschützten Rückzugsort haben. Menschen mit geringem Einkommen leben zudem häufiger in schlecht gedämmten Wohnungen und Quartieren mit wenig Grün und kaum öffentlichen Rückzugsorten. Sie haben oft deutlich weniger Möglichkeiten, sich vor der Hitze zu schützen. Deshalb ist mehr Hitzeschutz auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit:

Damit Einrichtungen der Bildung, Pflege oder Gesundheitsversorgung nicht zur Hitzefalle werden oder in vergleichbaren Situationen geschlossen werden müssen, ist es notwendig, diese Gebäude frühzeitig auf künftige Wetterextreme vorzubereiten. Das verbessert nicht nur den Hitzeschutz, sondern erhöht dauerhaft die Lebensqualität, spart Energie und damit Kosten.

Wir fordern:

  • Die sofortige Aufstockung der finanziellen Mittel im Förderprogramm Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen des Bunds, damit Kitas, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mit modernen Fenstern, Dämmung sowie energieeffizienten Kühl- und Lüftungssystemen ausgestattet werden können.
  • Ein Förderprogramm zur energetischen Sanierung für sozial geförderte Wohnungen.
  • Die verbindliche Verankerung von Hitzeschutz als Thema von Medizin, Pflege und Gesundheitsvorsorge.
  • Besondere kommunale Schutzkonzepte für vulnerable Gruppen während Hitzewellen.
  • Sonnensegel und ausreichend Schatten auf Spielplätzen und Schulhöfen.
  • Verbindliche Hitzeschutzstandards für öffentliche Neu- und Umbauten.

3. Gemeinsam Verantwortung übernehmen: Zusammenwirken von Bund, Land und Kommunen!

Ob Menschen gesund durch Hitzewellen kommen, entscheidet sich vor Ort. Doch viele Städte und Gemeinden wissen zwar, was notwendig wäre, verfügen aber nicht über die nötigen finanziellen und personellen Mittel für Planung und Umsetzung. 

Hitzeschutz darf nicht länger eine kommunale Pflicht ohne ausreichende Unterstützung bleiben, sondern muss als gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen verstanden werden.

Wir fordern:

  • Eine zügige Grundgesetzänderung zur Einführung einer Gemeinschaftsaufgabe Naturschutz und Klimaanpassung. Hierfür werden wir eine Bundesratsinitiative unmittelbar nach der Wahl auf den Weg bringen.
  • Fünf Milliarden Euro zusätzliche Mittel des Bundes aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität für Maßnahmen der Klimaanpassung in den Kommunen, insbesondere für den Hitzeschutz.
  • Die Finanzierung einer Vollzeitstelle für Klimafolgenanpassung in jeder Kommune durch das Land.

4. Wissen bündeln: Landeszentrum Klimafolgen einrichten!

Die Folgen der Klimakrise werden uns dauerhaft begleiten. Damit gute Ideen nicht an Gemeindegrenzen enden, braucht es eine zentrale Stelle, die wissenschaftliche Erkenntnisse bündelt, Kommunen unterstützt und erfolgreiche Lösungen schnell in die Fläche bringt. Gute Klimaanpassung lebt vom gemeinsamen Lernen und Handeln.

Wir fordern:

  • Die Einrichtung eines Landeszentrums für Klimafolgen und Klimaanpassung.
  • Die Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft, Kommunen und Zivilgesellschaft einschließlich der Sammlung erfolgreicher Praxisbeispiele.
  • Den Aufbau von Beratungs- und Informationsangebote für Kommunen sowie Bürger*innen.

5. Grün statt Grau: Entsiegelungs- und Begrünungsprogramm starten!

Jeder Baum zählt. Jede entsiegelte Fläche hilft. Grünflächen speichern Wasser, spenden Schatten und senken die Temperaturen spürbar. Die Natur ist die wirksamste Klimaanlage. Deshalb brauchen wir einen grundlegenden Kurswechsel in der Stadtentwicklung: weg von immer mehr Beton, hin zu lebenswerten und klimaangepassten Städten.

Wir fordern:

  • Ein landesweites Förderprogramm für die Entsiegelung von Betonflächen und Begrünung in den Kommunen.
  • Den verbindlichen Schutz von Grünflächen und Bäumen in der Bauleitplanung, einschließlich kühlender Verdunstungsflächen wie Wasserflächen oder -spiele.
  • Den Erhalt bestehender Parks sowie die Schaffung zusätzlicher Wasser- und Verdunstungsflächen.
  • Die Förderung von Dach- und Fassaden-begrünung.
  • Den dauerhaften Schutz von Frischluft-schneisen.
  • Trinkwasserspender an öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Einrichtungen
  • Die weitere Förderung von Initiativen wie „Abpflastern“ und „Tiny Forests“.

6. Kostbares Gut: Wasser als lebenswichtige Ressource schützen!

Wasser wird im Zeitalter der Klimakrise zu einer der wichtigsten Ressourcen überhaupt. Längere Trockenphasen und steigende Temperaturen setzen unsere Trinkwasserversorgung, die Landwirtschaft und die Natur zunehmend unter Druck. Wer heute Wasser schützt, sichert unsere Lebensgrundlagen für morgen.

Wir fordern:

  • Klare Regeln für die Wasserentnahme und eine stärkere finanzielle Beteiligung industrieller Großverbraucher.
  • Den konsequenten Schutz von Trinkwasser- und Wasserschutzgebieten.
  • Die Verringerung von Nitrat-, Nährstoff- und Schadstoffeinträgen in Gewässer.

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